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Michèle Schnabel - Serielle Arbeiten

Neue Kunst wird selten ohne Schockbonus, Neuigkeitspostulat oder vertrauter, geringmodifizierter Provinzialität wahrgenommen. Eines der wenigen weiteren Modelle der Differenzierung wurde von Michèle Schnabel realisiert: Ästhetik und Botschaftsreduktion in maximaler Stringenz.
Ihre Arbeit beschäftigte sich radikal mit Zeit - als Begriff, als Arbeitshypothese, als Ordnungsstruktur und natürlich auch insofern, dass ihre Arbeit nur in der Zeit der späten 90er entstehen konnte.

Michèle Schnabel verwendete in ihrer Arbeitsgruppe extrem reduziertes Material. Kleinformatige Bildcodes oder einzelne Worte wurden mit einfachsten Mitteln auf intensiv farbiges Papier kopiert, endlos vervielfältigt. Diese Bild - Text- Ikonen wurden dann händisch, oft entlang der Kontur ausgeschnitten und in komplexen, aber minimal differenzierten Reihungen aufgeklebt. Dabei entstanden Bilder die, von einem ungeheuren Konzentrationswillen bestimmt, alle gefangen nehmen die sich darauf einlassen.

In Ihre Gedankenwelt einzutauchen setzt freilich grundlegende Kenntnisse, Erfahrungen, Bezugssysteme, Sensibilität und natürlich Zeit und Bereitschaft voraus. Symmetrisches, serielles Ordnungsdenken und seine systemimmanente Aufhebung durch Übersteigerung, zwingende Rhythmisierungen, die (mögliche) Interaktion der Zeichen und die Endloswiederholung der Botschaftsfragmente der Bild - Text - Codes faszinieren.
Dabei orientierten sich ihre Arbeiten weniger an gegenwärtigen oder historischen Trends des Lettrismus oder serieller Grafik, sondern an der komplexen Ideenwelt, in diesem Fall, serieller, binärer "cool club cultures".  Die Arbeiten von Michèle Schnabel sind daher keine Produkte aus der Nachhut der Avantgarde des 20. Jhdts, sondern verweisen auf eine radikale zukünftige Bildsprache.

Sigrid Schwind über CUTS OF SCHNABEL

Michèle Schnabel (in memoriam)

1963 geboren in Holland, gestorben 2007
lebte seit 1984 in Linz
1983/1989 Kunsthochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung, Linz / Keramik
1989/1990 Kunsthochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung, Linz / Visuelle Mediengestaltung

ZEN-POP-ART "Betrachte die Vielfalt der Welt und verehre sie"
Werkzyklus 2002
Papiercollagen "Cut s of Schnabel"
Papierobjekte "India 2002"
Rauminstallation "Freude"
Papierobjekte "Work"