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Lost World - Ausstellung mit der O'artoteca Mailand

4 Menschen aus Amerika (2 Frauen, 2 Männer) - 3 sind auf anderen Kontinenten geboren, 1 von ihnen ist eigentlich Kanadier - stellen unter dem Titel “lost world” aus. Unterschiedlich wie ihre Wege in die Neue Welt sind auch ihre Beiträge. Die Ausstellung Lost World fand parallel in der O‘artoteca in Mailand und in der HMH Galerie in Linz statt.

lost world – die gegenwärtige, die zukünftige oder die vergangene?
Die Kindheit, das Paradies? Die kalte Welt der Moderne? Die zersplitterte Welt der Postmoderne? Oder gar die ganz neue neofundamentalistische enge Welt der Postpostmoderne des 21. Jahrhunderts?
Die Aufzählung ließe sich noch lange fortsetzen, aber soviel sei schon vor der Ausstellung gesagt: Die 4 KünstlerInnen halten sich nicht auf mit sentimentalischen Rückblicken oder endzeitlicher Vorausschau. Sie bauen und basteln lustvoll an ihren hybriden, imaginären Welten, finden, erkunden und erfinden sie. Aber diese lost worlds sind nicht in abgehobenen, esoterischen Sphären angesiedelt, eher sind sie (verwandt mit ähnlichen Phänomenen in der Literatur der Romantik) Modellwelten, die Aspekte der „realen Welt“ über die rein rationale Ebene hinaus widerspiegeln.

JENNIFER NUSS
Die Freaks, Zirkusmädchen, Feen, Göttinnen von Jennifer Nuss sind Bewohnerinnen weit mehr einer Nebenwelt (sozusagen in der Nachbarschaft) als einer “Überwelt”. Ähnlich wie bei den Göttern der klassischen Antike, bei Comic-Superhelden, Zirkusleuten (oder jeder anderen Subkultur - neben, über oder unter, aber immer auch IN der “normalen” Gesellschaft) basiert ihre Besonderheit auf einer Spezialisierung. Für den Rest aber sind sie ziemlich handfest und menschlich (diese Spezialisierung kann übrigens durchaus ein “Defekt” sein). Zuweilen entsteht der Eindruck, es könnte sich bei den Bildern um Allegorien handeln, aber immer schwingt eine ambivalente Gebrochenheit mit.
Die “Girls” von Jennifer Nuss sind Projektionen – auf ihre eigene, sehr absurde und vielschichtige Art verwandt mit Madonna, Pipi Langstrumpf, Jeanne d’Arc und vielen anderen “Supergirls”. 

KIKI SMITH
Zwar bilden auch bei Kiki Smith oft Mythen, Märchen oder literarische Vorlagen den Hintergrund für ihre Arbeit, aber Protagonistin ist stets sie selbst - als Selbstportrait, aber auch als “Beobachtende”, “Forschende”.
Wenn Claudia Steinberg in der Vogue schreibt: “...Kiki Smith bewegt sich wie eine Nomadin ohne festes Ziel durch die Welt der Ideen und Konzepte, der Mythen und gern auch der Irrtümer. Sie verzichtet auf einen permanenten intellektuellen Wohnsitz und zieht es vor, von der Religion zur Biologie, von der Kosmologie zur Physik oder zur Kunstgeschichte zu reisen...” dann muss dazu gesagt werden: im Mittelpunkt all dieser Betrachtungen steht Kiki Smith, wie sie sich reflektierend in Beziehung setzt zum jeweiligen Feld ihres Interesses.
Das Schaffen der 1954 in Nürnberg geborenen New Yorker Künstlerin ist so intensiv wie facettenreich. Ihre Biografie würde für ein „best of“ einer ganzen Gruppe interessanter Menschen reichen. Und die Liste nur der wichtigsten Galerien und Museen, in denen sie weltweit ausgestellt hat, ist lang.

About the artist
Born in Nuremberg, Germany, Smith grew up in New Jersey, part of a talented family that was deeply involved in the arts. Her mother was an opera singer and actress and her father was the sculptor Tony Smith. Despite the strong artistic influence in her life, Kiki Smith had no childhood aspirations to become an artist herself and only decided clearly on an artistic path when, at age 24, she moved to New York City, where she still makes her home. She is now represented by Pace Wildenstein and shows extensively throughout the United States and in Europe.
Smith's work was first recognized for its powerful portrayal of the more visceral aspects of the human body. Although much of her earlier work employed the more traditional media of sculpture, such as bronze, a good part of her work now uses more delicate media such as paper, perhaps a material more suited to exploration of the fragility and ephemerality of physicality and life itself. Perhaps parallel to this shift, Smith's focus has certainly not left the human body behind, but rather expanded to include the world of nature and even her concern with the intangible, spiritual, mythological and magical part of our world as well. 


FRED HAN CHANG LIANG
Der Inhalt der Arbeiten des Fred Han Chang Liang (aufgewachsen im China der Kulturrevolution, 1976 nach Kanada ausgewandert) oszilliert zwischen den Meditationstechniken fernöstlicher Philosophien und westlichen Wissenschaftsphantasien – beides Niemandsländer, in denen zwar mit unterschiedlichen Methoden, aber nach ähnlichen Gesetzmäßigkeiten vorgegangen wird. Ausschnitt, Standpunkt, Blickwinkel, Konzentration, Visualisierung sind wichtig.
Die genaue, geduldige, distanzierte Betrachtung, wobei durch die Veränderung von Parametern (wie Maßstab, Auflösung, Kontrast...) die Oberfläche der Realität aufgelöst wird und völlig neue Strukturen zutage treten, die der wahrgenommenen Realität zugrunde liegen.
Ob Makrowelten des Universums oder die kleinen Welten der Nanobiotechnologie oder mathematische Systeme: an ihren Grenzen spielen Fragen der Erkenntnisphilosophie eine immer wichtigere Rolle. Faszinierend auch für jene, die von der jeweiligen Materie nichts verstehen. Ob Wurmlöcher, Chromosomenstränge oder molekulare Modelle – alle zeugen vom Versuch das Unfassbare zu fassen, zu begreifen (...und auch davon wie unser Erkenntnisapparat funktioniert).
An dieser Schnittstelle von Perzeption und Konzeption siedelt sich Liangs Arbeit an – sie irritiert, imitiert, täuscht vor und vollzieht nach. Wie Bilder aus diesen Wissenschaftswelten sind Fred Liangs Bilder überzeugend “echt”, wozu in nicht geringem Maße die Verwendung digitaler Bildbearbeitung beiträgt. Und gerade das lässt uns vorsichtig werden heutzutage.

Fred H.C. Liang's Artist Statement:
Taoist philosopher, Lao Tzu’s poem embodies the desire to travel into the metaphysical world, by essentially stripping away physical reality. For me, this process of conceptual self-realization parallels society’s current scientific interest in mapping the human genome. Collectively, the Taoist perspective and Human Genome Project allude to humanity’s attempt to seek a more sophisticated understanding of the world’s inner workings. Most basically, this might be thought of as the grand quest for our origins and the truth - considered along a molecular and spiritual continuum. In fact, the primary function of both art and science is to peel away the obvious, and delve into the infinite depth of possible truths. In the case of Tao, truth is sought through a process of meditation, where one visualizes the neural exchange of positive and negative electrical charges which connect the body’s vital energy points. Through this process, one journeys into infinite smallness, with the aspiration of arriving at infinite emptiness - a place well beyond the visible, physical and known world. Similarly, scientists participating in the Human Genome Project, attempt to identify each chromosome with the intention of charting the unknown, and in so doing, enhance our ability to unravel life’s mysteries.
In my own work, I metaphorically engage in this inward journey by visually extracting worldly references, and instead focusing upon the nucleus of which the original image is comprised. With this recent body of work, for example, I began with a singular image of a hand belong to a Buddha statue, which was located near the Chinese city, Xi’an. Although I initially included this image’s entirety, the focus eventually turned to that of its matrix pattern composition. This attempt to consider the object beyond that readily accessible to the unaided eye, mirrors the analytical approach of scientists engaged in the Genome Project. In turn, this alternate matrix focus yields evocatively unexpected organic images.
When Galileo looked upward to the sky, he viewed a system which revealed the truth about our position within an immense universe. His outward glance heightened our curiosity about the world’s origins. In essence, this exemplifies how the further in distance we look, the further in time we travel. However, as infinitely large as we understand the universe to be, we are also discovering that it is as infinitely small. By mapping the Human Genome, scientists attempt to unlock the hidden microbes that will reveal the truth of our genetic constructs. Ironically, while chromosomes represent human commonalties, they simultaneously reaffirm our individual uniqueness. Indeed, utilizing apparently oppositional perspectives - such as the concreteness of scientific investigation, with the ineffability of spiritual contemplation permeates much of my studio activity.


TOMAS VU-DANIEL
Tomas Vu-Daniel, der den Vietnamkrieg als “Normalität” seiner Kindheit erlebte, beschäftigt sich mit dem Spannungsfeld von Schönheit und Zerfall, Eros und Thanatos.
In seinen “Opium Dreams” überlagern sich Siebdrucke nach alten erotischen chinesischen Vorbildern, verwirbeln in spasmischen Mustern, verbinden sich mit floralen Elementen. Unter einer sehr ästhetischen Oberfläche wimmelt ein irrwitziges Entstehen und Vergehen – ein Pandämonium von Begierden und Ängsten – dicht verwobene Texturen, in die man nur langsam vordringt. Aber je länger man sich einlässt auf diese Welt und je tiefer man in sie versinkt, umso ruhiger wird man inmitten dieses Rasens und Drängens .... und Gegensätze Leben-Tod, Liebe-Hass, Lust-Ekel verschmelzen, lösen sich auf.
Tomas Vu-Daniel spricht selbst von einem meditativen Zustand in dem er sein Bewusstsein auf die Bildoberfläche entleert. Er vergleicht diesen Zustand auch mit Beschwörung, Ritual und Magie.

Tomas Vu-Daniel's Artist Statement:
The prints are all made on layered mylar. The mylar provides me a space into which I can float spontaneously into a process of meditation through which ideas and images pour. I seek to empty my mind out onto the page. Theses images entitled "Opium Dreams" deal with a world of incantation, magic and ritual, in which dreams of eroticism are masked as hybrid images of animal, plant, technological and human form. A fantastical landscape is created through the chaotic, layered accretion of drawing which explores what both my memory and imagination offer.

Jennifer Nuss

Jennifer Nuss

Kiki Smith

Kiki Smith

Fred Han Chang Liang

Fred Han Chang Liang

Fred Han Chang Liang

Tomas Vu-Daniel

Tomas Vu-Daniel